Puppen, Landleben und Nachbarn

"Wann gibt es wieder Puppen?", werde ich häufig gefragt. Ganz ehrlich, ich weiß es noch nicht. Aber sie sind da. In meinen Gedanken. Immer wieder huschen Ideen durch meinen Kopf. Der Tag wird kommen und dann setze ich sie um. Versprochen! Mit dem Umzug auf's Land haben sich meine Prioritäten ein wenig verschoben. Nicht nur unseres Umzuges wegen. Wenn mir neben all meinen Verpflichtungen eine freie Minute bleibt, dann zieht es mich gerade nicht an die Nähmaschine, sondern zu ihnen: unseren neuen Nachbarn in den Nachbardörfern, die auf der Suche nach Ruhe und Sicherheit nach einer langen Flucht hierher gekommen sind. Ich lausche ihren Geschichten, die sie mit Händen und Füßen erzählen oder auf Bildern und Videos eingefangen haben. Ich sehe eine große Schneiderei, höre Stimmengewirr und ratternde Nähmaschinen in der Nähe von Damaskus. Ich sehe Stoffberge und fertige Kleider.
 
Andere freie Minuten verbringe ich im Haus, Hof und Garten. Alles blüht, duftet, wächst. Nicht nur, dass unser riesiger Garten an vielen Stellen verwildert, auch die Zaunslatten geben sich alle Mühe, wild auszuschauen. "Leben und leben lassen, das ist die Devise. Lebt wie ihr mögt", versichert mir unsere liebe Nachbarin, als ich sie frage, ob es nicht vielleicht ein ungeschriebenes Gartenpflegegesetz im Dorf gäbe. Nein! Große Erleichterung. Mein Blick schweift durch den Garten und bleibt an unserem anderen Grundstücksnachbarn hängen, der sich an unserem modrigen Zaun zu schaffen macht. "Halt! Ich kann alles erklären", will ich sagen, aber schon ruft der Nachbar mir lachend zu: "Ich repariere nur Euren Zaun. Ihr habt doch so viel zu tun, ich als Rentner hingegen habe Zeit."

Es ist sehr schön hier. Und die Puppen warten geduldig.